In einer Kirche stehen.
mit Gott außer mir.
einfach da sein.
Um 1256 zogen die Nonnen des Augustinerinnenklosters vom Kupferberg (jetzt Hettstedt) nach Wiederstedt
"in eine schöne, aber etwas enge Aue" nach Spangenberg.
Vermutlich wurde die erste Kirche abgetragen und durch die jetzige ersetzt.
Die Kirche ist ein langgestreckter, flachgedeckter einschiffiger Feldsteinbau von 60 m Länge und 10 m Breite,
besteht aus einem 30 m hohen Turm und dem Langhaus.
Im spätgotischen achteckigen Aufsatz des Turmes befindet sich ein zweiteiliges Maßwerkfenster.
Abgeschlossen wird er durch eine welsche Haube mit Laterne.
In das Kloster waren Töchter aus vornehmen Familien des Landes eingetreten,
man nannte unter diesen besonders mehrere Gräfinnen von Regenstein, die Töchter der Herren von Welpsleben und Fregleben.
Die Nonnen wurden vom Dominikanerorden betreut, so dass bald beide Bezeichnungen z. T. einzeln oder zusammen in den Urkunden erschienen. Die Schenkungen an das Kloster betrugen über 190 Hufe Land, die Ländereien reichten bis in den Harz. Auch als Begräbnisort der Grafen Otto und Bernhard von Anhalt ist das Kloster erwähnenswert. Es besaß eine wertvolle Kleinodien- und Reliquiensammlung. In den Wirren des Bauernkrieges wurde das Kloster am 3. Mai 1525 gestürmt. Dabei wurde die schöne Bibliothek ein Raub der Flammen. Die Nonnen konnten nach Mansfeld und Allstedt fliehen. Noch kurze Zeit hat das Kloster fortbestanden, die letzte Urkunde stammt aus dem Jahr 1543 über den Verkauf von Ländereien.
Das Klostergut ging an die Grafen von Mansfeld über, welche zur Verwaltung Amtsleute einsetzten. Doch sie konnten den Besitz nicht halten und verpfändeten ihn im Jahr 1561 an den kursächsischen Rittmeister Jakob von Blankenburg.
Ein Epithaph an der Nordseite der Kirche wurde nach seinem Tod 1595 durch seine Frau Barbara, geborene von Arnim und seine Brüder in Auftrag gegeben und errichtet.
Der Teil des Gotteshauses, welcher den Nonnen als Kirche diente, wurde weiter als Kirche für die Gemeinde verwandt. Der hintere Teil , bis zur Reformation die Kirche der Laien, wurde Speicher.
Die Spitzbogenöffnung zwischen Kirche und Speicher wurde vermauert. Zu Klosterzeiten konnten die Nonnen durch diese Öffnung der Predigt zuhören.
Ein weiterer Grabstein der jüngeren Schwester Barbaras von Arnim, Katharina ( 1557-1575 ), befindet sich an der nödlichen Seite der Kirche.
Jacob von Blankenburg hinterließ zwei Töchter. Eine von ihnen, Katharina, war mit dem Herzoglich Braunschweig-Lüneburgischen Obersten Hans Christoph von Hardenberg vermählt.
So gelangte das Gut Oberwiederstedt erst als Pfand, dann in den Besitz der Familie von Hardenberg bis 1945. Sie übten das Patronat über die Marienkirche aus.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) war das halbe Dorf zerstört, der Landbau kam ganz zum erliegen. 1639 wurde berichtet, dass die Kirche als Pferdestall verwandt wurde.
An der Hufeisenempore sowie am hinteren Eingang der Kirche ist die Jahreszahl 1723 vermerkt. Umfangreiche Änderungen am Gotteshaus wurden damals durchgeführt.
Die Empore ist aus Holz in einer schlichten Ausführung. An der Südwand befindet sich die Herrschaftsempore, welche von in Holz gearbeiteten Palmenbäumen getragen wird. Blattwerk und Blüten schmücken ihre Brüstung.
Die Marienkirche ist nicht nur ein Teil einer gotischen Frauenklosteranlage, sondern auch die Taufkirche des frühromantischen Dichters Friedrich von Hardenberg (2.5.1772-25.3.1801)
Kurz vor der Herrschaftsempore befindet sich im Fußboden das Grab von Hans Friedrich Georg von Oldershausen, er war der Bruder der ersten Gattin des Vaters von Novalis, Erasmus von Hardenbergs.
Im Turm ist eine Turmuhranlage, welche von der Firma Weule aus Bockenem um 1850 hergestellt und eingebaut wurde, zu sehen. Sie gehört mit zu den ersten Uhrwerken der Firma. Sie war so erfolgreich, dass ihre Turmuhren auf bedeutenden Ausstellungen in Moskau, Wien und Sydney Preise erhielten. Leider ist dieses technische Denkmal nicht mehr vollständig erhalten, drei Zahnräder fehlen.
Vom Glockenstuhl aus mit der 1930 von Ludmilla von Hardenberg gestifteten Glocke hat man einen herrlichen Ausblick.
Der Altar, die Taufe und Orgel sind nur noch in Resten zu finden.
Der Altaraufsatz wurde, nachdem die Kirche 1974 durch die Kirchgemeinde aufgegeben wurde, im Jahr 1980 an die Katholische Kirche in Hettstedt verkauft. Sie ließ ihn restaurieren und so ist der schöne Marienaltaraufsatz auch heute noch erhalten und in Hettstedt anzusehen.
Anders erging es dem Taufstein, welcher zerschlagen wurde.
Von der Orgel wurden zur Zeit der Nichtbenutzung der Kirche die Orgelpfeifen abgebaut und als "Schrott" verkauft. Auch versuchten Jugendliche, sich aus den abmontierten Pfeifen Blasinstrumente zu bauen.
An Stelle der Orgel haben Frauen der Gemeinde im Jahr 2002 ein textiles Bild, mit welchem sie an die Frauen in dieser Kirche erinnern wollen, hergestellt.
Fast dreißig Jahre wurde die Kirche nicht für Gottesdienste genutzt.
Die letzte Renovierung erfolgte 1900 durch die Familie von Hardenberg. Seit dieser Zeit sind an der Ostseite zu lesen:
links:
"Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab."
rechts:
"Wenn ich ihn nur habe, wenn er mein nur ist." Novalis
Der Trägerverein wurde am 31.5.1994 gegründet.
Durchgeführte Arbeiten:
1993 Provisorische Turmsicherung,Planung, Gutachten zur Instandsetzung
1994 Instandsetzung der Turmhaube
1995-1997 keine Arbeiten
1998 Sanierung Turmmauerwerk
1999 Sanierung Turmmauerwerk
2000 Sanierung des Kirchenschiffes Dachsanierung. 1. Bauabschnitt
2001 Dachsanierung 2. Bauabschnitt
Die Kirche ist geöffnet
von April bis September
jeden Samstag
von 10 - 18.00 Uhr.
Der Kirchenraum beginnt zu erzählen.
Wer Augen hat zu sehen und wer Ohren hat zu hören, der kann sich der Sprache der Kirche nicht entziehen.
Sollte ein anderer Termin gewünscht werden, bitte im Novalismuseum
oder im Pfarrhaus melden.
Trägerverein Klosterkirche Wiederstedt
(Novalis-Taufkirche) e.V.
Vorsitzender:
Pfarrer Gerhard Hampel
Für Spenden zur Instandsetzung
Bankverbindung:
Konto: 3341000339
BLZ 8005 5008
Sparkasse Mansfelder Land
Links
www.novalisgemeinde-wiederstedt.de
www.novalis-museum.de
Projekt genius loci
Vicchio
www.novalis-kuratorium.de.vu
www.elektro-seidler.de